Über 30 Jahre Entwicklungszusammenarbeit - Seit 2002 Förderkreis Zukunft für Afrika

Wie entstand der Förderkreis?

1989 brachten Ingrid und Gottfried Kölbl von einem Senegalurlaub die Idee mit nach Hause, den Menschen dort helfen zu wollen. Nach einigen Privataktionen und mehreren Jahren als Vorstandsmitglied im Oberstdorfer Verein „Hilfe für Afrika - Wasser für Senegal“, reifte bei Gottfried Kölbl der Entschluss, eigene Wege zu gehen und andere Akzente zu setzen.

2002 gründete Gottfried Kölbl den „Förderkreis Zukunft für Afrika“ als christliche Initiative unter dem Dach der Altkatholischen Gemeinde Kempten. Von Pfarrer Michael Edenhofer und der Kirchengemeinde wurde diese Initiative von Anfang an sehr begrüßt, entsprach sie doch auch genau der Idee der Gemeinde, wie Kirche in der Welt wirken sollte.

Was ist die Motivation des Förderkreises?

Damals wie heute und nach vielen Besuchen im Senegal ist es unsere Überzeugung, dass das starke Bevölkerungswachstum in Afrika einer der wichtigsten Armutsgründe ist. Vor 30 Jahren hatte Senegal etwa 7,5 Millionen Einwohner, heute spricht man von 16 Millionen. Damals waren etwa 50% der Menschen Analphabeten, vor allem Frauen. Jede Frau hatte im Durchschnitt fast 7 Kinder, heute sind das noch mehr als 4. Für ein Land mit wenig Bodenschätzen und größtenteils schwierigen Bedingungen für Landwirtschaft immer noch zu viel, wie wir meinen.

Es ist unsere Erfahrung, dass Menschen mit Schulbildung nicht mehr so leicht politisch manipulierbar sind. Eine aufgeklärte Zivilgesellschaft kann entstehen. Vor allem gibt es eine Beziehung zwischen der Alphabetisierung der Frauen und dem Kinderwunsch. Männer wie Frauen mit Erwerbsmöglichkeiten planen ihr Leben verantwortungsvoll, sehen ihr Heil nicht mehr in der Landflucht oder gar in der Migration nach Europa.

Daneben gibt es noch viele weitere Gründe für die Situation der Menschen, wie sie ist. Doch der Grund für Armut, dass es für die vielen jungen Menschen keine Perspektiven gibt, lässt sich auch mit den Mitteln einer kleinen Initiative beheben, indem man mithilft, Schul- und Berufsausbildung zu fördern.

Von Anfang an waren Pfarrer Michael Edenhofer, Hermann Mohry und Michael Piesbergen mit dabei. Michael Piesbergen und seine Frau Christine waren auch schon mehrfach mit im Senegal. Stefan Kölbl engagiert sich für den Förderverein, seit er wieder im Allgäu lebt. Einer Besteigung des Kilimandscharo 2004 folgte über mehrere Jahre auch die Unterstützung des Schulbesuchs von Aidswaisen in Tansania. Hier fand die Arbeit des evangelischen Pfarrers Lenare in der Gemeinde Kyomu die Bewunderung von Gottfried Kölbl. Man unterstützte auch den Bau einer Landwirtschaftschule in Mwangaria.

Wie ist der Förderkreis organisiert?

Es gibt ein Leitungsgremium. Mit dem Ruhestand von Pfarrer Michael Edenhofer und dem Wunsch von Gottfried Kölbl, altershalber kürzer treten zu wollen, wurde ein Generationenwechsel eingeleitet. Seit März 2020 leitet Stefan Kölbl den Förderkreis. Mit im Gremium sind Dr. med. Angelika Groß, Christian Kosak - beide auch im Kirchenvorstand - sowie bis auf weiteres noch Gottfried Kölbl. Die Mitarbeit im Förderkreis ist ehrenamtlich, die Reisen werden von den Reisenden selbst finanziert. Bis auf etwas Werbung und Gebühren für Banküberweisungen gibt es kaum Kosten. Es gibt keine Beiträge, Spenden können individuell gestaltet werden. Die Kirchengemeinde stellt Spendenquittungen aus. Die Buchführung - auch die des Förderkreises - wird von den Kassenprüfern der Kirchengemeinde jährlich geprüft. In größeren Abständen erfolgen Prüfungen im Rahmen der Visitation. Die Spender erhalten in Form von Newslettern drei bis viermal jährlich eine Info über die Entwicklung der Finanzen und der Projekte.

Wer ist unser Partner im Senegal?

Vor etwa 25 Jahren lernten Ingrid und Gottfried Kölbl einen jungen Mann kennen, der ein Fahrrad brauchte, um das Gymnasium besuchen zu können: Elhadji Francois Diouf. Er war der Stiefbruder von Etienne Loum, den Kölbls in ihrem ersten Urlaub bei einem Kirchbesuch kennengelernt hatten. Er wurde zunächst Reisebegleiter und Dolmetscher. Damals noch Deutsch/Englisch. Nach dem Abitur unterstützten Kölbls ihn, damit er Germanistik und Betriebswirtschaft studieren konnte. Auch für Elhadji, Katholik mit muslimischen Vater und christlicher Mutter, war es eine christliche Motivation, seinen Landleuten zu helfen. So gründete er die Organisation AVANCEE und ist seither unser maßgeblicher Projektpartner. Er ist verheiratet mit Adelaide. Sie ist von Beruf Hebamme. Beide haben drei reizende Kinder und wohnen in Thies.

Was wurde inzwischen erreicht?

Bis Ende 2019 wurden rund 500.000 € an Spenden gesammelt und fast ebenso viel in Projekte vor allem im Senegal aber auch in Tansania investiert.

Seit 2003 unterstützt der Förderkreis - zusammen mit Jacques Bocandé - den Schulbesuch von etwa 60 SchülerInnen des Gymnasiums St. Gabriel in Thiès. Kinder armer Eltern erhalten 50% des Schulgeldes.

Mehrere Jahre erhielten Jugendliche in der Berufsschule von Don Bosco in Thiès Schulgeld-Unterstützung, solange bis dort das Ausbildungsziel vor allem die Hochschulreife war.

Von 2011 bis 2018 finanzierte der Förderkreis - zusammen mit Dr. Ute Gierczynski-Bocandé - den Bau von 13 Buschschulen im Bassari-Land, im äussersten Südosten des Landes. Eine abgebrannte Schule wurde wieder aufgebaut. Auch für die Ernährung der Kinder im Internat von Salemata wurde Geld gegeben.

Im Dorf Ndoffane, bei Joal, wurde 2011 das erste Gartenbau-Projekt gestartet. Initiator, wie auch bei allen folgenden Projekten: Avancee mit Elhadji Francois Diouf. 2013 und 2017 wurde dort eine von den Eltern getragene Landschule mit zwei Gebäuden errichtet. Es war das einzige Mal, dass wir bei diesem großen Projekt einen Zuschuss, damals von Brot für die Welt, in Anspruch nahmen.

Die Schulsituation im Senegal hat sich im Lauf der Jahre verbessert. Nicht selten fühlte sich durch unsere Schulen auch der Staat genötigt, in unmittelbarer Nähe selbst eine Schule zu eröffnen. Immer öfter wurde jetzt an unseren Projektpartner der Wunsch herangetragen, den Start von Gartenbau-Projekten zu unterstützen. Meistens waren Wasser, Saatgut und Know How sowie die Startfinanzierung das Problem, um auch in der Trockenzeit mit Gemüse und Obst Arbeit und Einkommen zu schaffen. Von 2015 bis 2017 förderten wir zunächst im Norden des Landes die Projekte in Mbind Dawoy, Mboul Diame Sokone und Ndion Sassar.

Eines Tages fragte ein pensionierter Beamter unseren Projektpartner, warum wir nicht auch den Süden des Landes, die Casamance, unterstützten. In diesem Landesteil, südlich von Gambia, hat es immer wieder Unabhängigkeitsbestrebungen gegeben. Auch Waffengewalt und Zerstörungen gab es. 2014 einigten sich die Konfliktparteien auf eine Waffenruhe und Frieden. Dieser hält bis heute. Es ist ein Landstrich mit ausreichend Regen und guten Möglichkeiten, Land- und Forstwirtschaft zu betreiben.

Mit Elhadji Francois Diouf als Partner finanzierten wir auch hier 2017 wieder den Bau von zwei Buschschulen, die Lehrer stellt hier allerdings der Staat. Ebenso erlaubten es unsere Spenden in den letzten Jahren, die Gartenbau-Projekte in Thiewal, Binakonding, Saré Meta, Bambato und Diattacounda zu starten. Neuestes Projekt: Der Bürgermeister von Diattacounda bat uns, den Bau eines beruflichen Ausbildungszentrums zu finanzieren. Es soll in zwei Etappen entstehen. Die Gemeinde stellt das Grundstück und die Einrichtung. Mit dem Bau konnte Anfang 2020 begonnen werden. Siehe auch "Aktuelles: Jahresbericht 2019/2020".

Wir werden auch künftig nicht die Hände in den Schoß legen. Es ist unsere Motivation, den Menschen zu helfen, die das Pech hatten, nicht in der Komfortzone dieser Welt zu leben.

Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit weiter. Es gibt noch viel zu tun!