Jahresbericht 2019/2020

Eigentlich war die Reise von Gottfried und Stefan Kölbl in den Senegal für 2018 geplant. Es war vorgesehen mit Stefan alle Projekte des Förderkreises zu besuchen. Vor allem war die Entscheidung zu treffen, ob der Förderkreis dem Wunsch des Bürgermeisters von Diattacounda entsprechen wollte und konnte, den Bau eines beruflichen Ausbildungszentrums zu finanzieren. Erst 2019 hatte der Förderkreis genug Geld in der Kasse, darüber nachzudenken. Es ging um mindestens 45.000 €.

Vom 10. bis 20. November 2019 waren beide im Senegal. Zusammen mit Elhadji Francois Diouf, unserem Projektleiter, haben wir ca. 2.200 km im Auto zurück gelegt und ganz sicher das Abgasquantum eines ganzen Jahres eingeatmet. Das Thermometer stieg mittags oft auf über 40 Grad im Schatten. Ohne Klimaanlage gibt es da nur noch offene Fenster. So gönnten man sich zur Halbzeit einige Tage am Atlantik - als Privaturlaub zum Luftholen.

Unsere erste Station war Tambacounda, wo wir den Leiter von DIDEC, Jean-Claude Mendy trafen. Zur Erinnerung: Zwischen 2011 und 2018 haben wir im Bassari-Land den Bau von 13 Buschschulen mit fast 70.000 € finanziert. So war es für uns eine große Enttäuschung und sehr ärgerlich, dass es der Leiter von Caritas Tambacounda 2018 unterlassen hatte, rechtzeitig den Antrag für die Lehrergehälter bei Misereor Deutschland zu stellen. Somit konnten in insgesamt 17 Schulen ca. 500 Kinder fast ein Jahr nicht zur Schule gehen. Mit Hilfe von Minister Dr. Müller war es uns gelungen, Misereor zu veranlassen, den Schulträger zu wechseln. Misereor erhält seine Mittel in großem Umfang auch von Dr. Müllers Ministerium. DIDEC ist die katholische Schulverwaltung und hat das Programm mit großem Elan gestartet. Wichtig war es uns auch zu betonen, dass es notwendig sei, künftig auch für den baulichen Unterhalt der Schulen Mittel zu besorgen. Eine abgebrannte Schule haben wir letztes Jahr noch selbst repariert. Diese Schulen, die mit Spenden von 10 Sponsoren errichtet wurden, sind deshalb so wichtig, weil hier Kinder aus abgelegenen Bergdörfern zumindest eine dreijährige Ausbildung im Nötigsten erhalten. Die 10 Besten dürfen dann immer die normale Schule in Salemata besuchen. Sie leben dort meist in einer Art Internat.

Südlich des Gambia-Flusses fuhren wir weiter in die Casamance. Dieser Landesteil wird von deutschen Entwicklungshelfern gerne etwas gemieden. Er ist von Dakar oder Thiès aus gesehen abgelegen. Diese Gegend unterscheidet sich aber gravierend vom Norden: Es gibt ausreichende Regenfälle, fruchtbare Böden und Wälder.

2016 begannen wir hier in Thiewal bei Vélingara ein Gartenbau-Projekt für Frauen und Jugendliche. Das Grundstück hatte der Bürgermeister zur Verfügung gestellt. So war es für uns - beim dritten Besuch - eine Freude zu sehen, was hier entstanden ist. Die Frauen begrüßten uns mit großem Tamtam und bewirteten uns. Elhadji berichtete, dass noch immer ein Buchhalter alle Projekte begleite. Hier erziele man auch schon gute Ergebnisse.

Auch in der Casamance haben wir mit Dörfern ohne Schule bisher zwei Buschschulen gebaut. Allerdings stellt in Binakonding und Bamdallah der Staat zumindest die Lehrer. Wir wurden mit großem Hallo empfangen. Wir brachten jeweils unsere Sponsorenschilder an. An Geschenken gab es einen Fußball aber auch viele Schreibblocks, die die Firma Kösel gestiftet hatte.

In Tanaf trafen wir eine Gruppe aus Oberstdorf, die die Casamance bisher nicht kannte. Gemeinsam fuhren wir nach Binakonding, wo wir mit Elhadji auch ein Gartenbau-Projekt angestoßen haben. Mit Musik und Tanz wurden wir schon weit vor dem Dorf empfangen. Hier geht immer noch die Hälfte der Kinder nicht zur Schule. Aber der großflächige Anbau von Reis in der Regenzeit sowie Maniok, Zwiebeln, Piment, Auberginen und vieles andere mehr in der Trockenzeit, bringen bald gute Erträge. Ebenso die vielen Hundert angepflanzten Mango- und Zitrusbäume, die zusätzlich auch den baldigen Bau eines weiteren Schulgebäudes ermöglichen werden.

Weiter ging es nach Diattacounda. Hier war ein großes Event vorbereitet. Wir hatten vorher - mit etwas Gottvertrauen, bzw. im Vertrauen auf unsere Spender - die Zusage gegeben, das Gebäude für das berufliche Bildungszentrum zu finanzieren. Das Grundstück und die Einrichtung stellt die Gemeinde. Die ins Auge gefasste kleine Lösung mit zwei Gebäuden für zwei Berufe soll 69.230 € kosten. Später sind auf dem Grundstück noch zwei weitere Gebäude möglich. Begonnen soll mit der Ausbildung von Landwirten (auch für Analphabeten möglich) und Elektrikern, mit Schwerpunkt Photovoltaik. In dem Land, in dem fast immer die Sonne scheint, erzeugt, man Strom noch immer mit Öl und Kohle, beides wird importiert. Man kennt noch immer keine Einspeisevergütung für selbst erzeugten Strom (Stand 2020). Neben Presse und Fernsehen waren auch viele Honoratioren bei der Grundsteinlegung anwesend.

In Diattacounda hat der Förderkreis auch den Start eines Gartenbau-Projekts mit 10.000 € finanziert. Der Brunnen in der Nähe des Casamance-Flusses hat zwar auf zwei Meter Wasser. Inzwischen weist das Wasser aber einen leichten Salz-Gehalt auf. Nun will man es mit der Anpflanzung von Kohl probieren. Unser Vorschlag war, eine Zisterne für Regenwasser zu bauen.

Danach besuchten wir noch das Gartenbau-Projekt Bambato, das direkt an Binakonding grenzt. Die Frauen zeigt uns mit Stolz ihre riesigen Reisfelder. Auch hier Musik und Tanz und eine ausgelassene Stimmung.

In Thiès wieder angekommen, besuchten wir am letzten Tag noch die Schule Ndoffane. Hier hatte ein Orkan das Dach abgedeckt. Die Schule wird immer noch von den Eltern betrieben und so bezahlten wir die Reparatur in Höhe von rund 5.000 € aus Spendengeldern. Auch hier ermöglicht ein von uns unterstütztes Gartenbau-Projekt mehr Einkommen. Wir haben dem Dorfchef Gor Senghor aber gesagt, es sei an der Zeit dafür zu sorgen, dass entweder DIDEC oder der Staat die Schule übernehme. Elhadji Francois Diouf bleibt an dem Thema dran.

Zum Schluss noch ein paar Zahlen:

Anfangsbestand 01.01.2019 rund 19.000 €
Einnahmen rund 34.000 €
Ausgaben rund 47.000 €
Schlussbestand 31.12.2019 rund  6.000 €

Besuch in der Gärtnerei Ville Verte von Elhadji in Thiès

Gespräch mit dem Leiter DIDEC Tambacounda

Besuch im Gartenbau-Projekt Thiewal bei Vélingara

Die Leiterin, Mme Fatoumata Boiro, in Aktion

Die Lehrer und SchülerInnen der Buschschule in Bambadalla empfingen uns mit großem Hallo.

In Binaconding empfing uns das ganze Dorf auf der Straße.

Zu unserer Freude waren auch die Oberstdorfer Freunde in die Casamance gekommen. Sie waren in Binaconding, Bambato und Diattacounda mit uns.

In Binakonding hat eine Allgäuer Familie das Schulgebäude gestiftet.

Noch immer hat die Hälfte der Kinder keinen Platz. Mit dem Gartenprojekts werden die Eltern bald ein zweites Gebäude erbauen.

In Diattacounda wurde mit viel Prominenz der Grundstein für ein Berufsausbildungs-Zentrum gelegt. Muslime und Christen beteten gemeinsam für ein gutes Gelingen.

Wir besuchten auch noch die vom Sturm beschädigte Schule in Ndoffane. Der Chef de village, Gor Senghor, bedankte sich bei uns.

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